Die paraguayische Abgeordnetenkammer hat Camilo Benítez Aldana mit 64 Stimmen für eine weitere Amtszeit als Leiter des Rechnungshofs wiedergewählt. Sein Mandat läuft vom 1. November 2026 bis 2031. In derselben Sondersitzung wählten die Abgeordneten Armindo Torres zum stellvertretenden Rechnungshofchef; Augusto Paiva von der Authentisch Radikal-Liberalen Partei (PLRA) erhielt 16 Stimmen.
Der Rechnungshof ist das Verfassungsorgan, das den Einsatz öffentlicher Mittel, das staatliche Vermögen, die Haushaltsausführung sowie die wirtschaftlichen und finanziellen Aktivitäten des Staates überwacht. Seine Leitung beeinflusst die Auswahl von Prüfungen, die Kontrolle von Behörden, öffentlichen Institutionen und Staatsunternehmen sowie die Weiterleitung möglicher Unregelmäßigkeiten und damit die öffentliche Rechenschaft während der fünfjährigen Amtszeit. Der Rechnungshofchef und sein Stellvertreter werden vom Kongress aus Dreierlisten bestimmt: Der Senat wählt die Liste aus und leitet sie weiter, die Abgeordnetenkammer trifft die endgültige Entscheidung.
Die Abstimmung fand am 1. September statt, nachdem der Senat am 26. August die Dreierliste mit Benítez, Mabel Bogado Oviedo und Carlos Vera Ruiz ausgewählt und weitergeleitet hatte. Der Auswahlprozess begann mit 49 Kandidaten und endete mit 36 Namen, nachdem Bewertungen, Rückzüge und Abwesenheiten bei öffentlichen Anhörungen berücksichtigt worden waren. Bei der Abstimmung in der Abgeordnetenkammer erhielt Bogado Oviedo zwei Stimmen.
Die Möglichkeit einer erneuten Kandidatur von Benítez wurde von Senator Líder Amarilla infrage gestellt, der eine Unvereinbarkeit mit den verfassungsrechtlichen Bestimmungen zur Amtsdauer und Kontinuität geltend machte. Der Einwand wurde nicht berücksichtigt, nachdem ein Rechtsgutachten von Emilio Camacho eine andere Auslegung vertrat: Benítez habe zunächst eine von einer anderen Person begonnene Amtszeit vollendet und erst danach eine volle Amtszeit absolviert. Seine Unterstützer argumentierten auf dieser Grundlage, dass die Wiederwahl die einzige von der Verfassung erlaubte weitere Amtszeit darstelle; die rechtliche Kontroverse wurde jedoch während des Verfahrens dokumentiert.
Das Ergebnis führte dazu, dass beide Schlüsselpositionen im Rechnungshof mit Mitgliedern der Colorado-Partei (ANR) besetzt wurden. Die vorliegenden Berichte belegen nicht, dass alle mit Honor Colorado verbundenen parlamentarischen Fraktionen für beide Kandidaten stimmten, dokumentieren jedoch die Unterstützung des Cartismo für die Fortsetzung von Benítez’ Amtszeit und die Ernennung von Torres. Cartismo wird vom ehemaligen Präsidenten Horacio Cartes geführt.
Torres, 43 Jahre alt und aus Escobar im Departamento Paraguarí stammend, leitete seit Mai 2019 die Generaldirektion für eidesstattliche Vermögens- und Einkommenserklärungen. Diese Abteilung verfolgt die Vermögensentwicklung von Beamten und Amtsträgern.
Die Regierungsfraktion begründete die Wiederwahl mit Erfolgen der Amtszeit von Benítez. Hugo Meza verwies darauf, dass über 1,6 Millionen eidesstattliche Erklärungen mit Unterlagen seit 2008 online zugänglich gemacht worden seien. Zudem nannte er 1.217 Vermögensanalysen, verglichen mit 256 in früheren Amtszeiten – ein Anstieg um 375 % –, 1.073 abgeschlossene Disziplinarverfahren und 1.003 mit Bußgeldern belegte Beamte. Besonders hervorgehoben wurde die 2020 wiederaufgenommene Sonderprüfung von Itaipu, die seit 2012 ausgesetzt war und deren Abschlussbericht 2021 vorgelegt worden sein soll. Diese Zahlen müssen anhand eines Primärberichts überprüft oder der offiziellen legislativen Begründung eindeutig zugeschrieben werden.
Die Opposition bewertete die Entscheidung anders. Rocío Vallejo kritisierte, dass eine Führung aus zwei Colorado-Mitgliedern den Pluralismus untergrabe, der ihrer Ansicht nach in einer Kontrollbehörde notwendig sei. Der Protest der Opposition fiel uneinheitlich aus: Einige Abgeordnete kündigten an, den Plenarsaal zu verlassen, andere taten dies tatsächlich, wieder andere blieben, um die Entscheidung zu kritisieren. Da das Quorum für die reguläre Tagesordnung nicht erreicht wurde, musste eine Sondersitzung einberufen werden. Kritiker sehen in der Besetzung beider Positionen mit ANR-Mitgliedern eine Schwächung der institutionellen Kontrollmechanismen; dies ist eine politische Einschätzung, keine rechtlich festgestellte Schlussfolgerung.
