Die Frist für Bewerbungen um das Amt des Ombudsmanns in Paraguay endet am Montag, dem 10. August. Das vom Senat durchgeführte Verfahren soll den Nachfolger von Rafael Ávila bestimmen, dessen Amtszeit am 10. November ausläuft. Bisher haben sich 22 Personen beworben, darunter auch für das Amt des stellvertretenden Ombudsmanns.
Nach Abschluss der Bewerbungsfrist sind öffentliche Anhörungen und eine Evaluierungsphase vorgesehen, um eine Dreierliste mit Kandidaten zu erstellen. Die endgültige Ernennung erfolgt durch die Abgeordnetenkammer, die den Amtsinhaber mit Zweidrittelmehrheit wählt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre mit der Möglichkeit einer Wiederwahl. Die Bewerber müssen dieselben Voraussetzungen erfüllen wie für das Amt eines nationalen Abgeordneten.
Menschenrechtsexperten beschreiben die Institution jedoch als bedeutungslos und von parteipolitischen Absprachen geprägt. Dante Leguizamón von der Coordinadora de Derechos Humanos del Paraguay erklärte, dass keine der bisherigen Amtszeiten – unter Manuel Páez Monges, Miguel Godoy und Rafael Ávila – zufriedenstellend gewesen sei. Er kritisierte den Mangel an einer soliden institutionellen Struktur und den Einfluss interner politischer Akteure.
Die Expertin Diana Vargas, derzeit Leiterin einer Untersuchungskommission im Senat, bezeichnete die Arbeit der Ombudsstelle als „irrelevant für das Leben der Menschen in diesem Land“. Sie betonte, dass die Institution in einem Staat mit mangelhaften öffentlichen Dienstleistungen kein wirksames Instrument für Bürgerbeschwerden geworden sei. Vargas bewertete die Amtszeit Godoys als die schlechteste, zeigte sich aber auch unzufrieden mit Ávilas jüngster Arbeit.
Óscar Ayala Amarilla vom Nationalen Mechanismus zur Verhütung von Folter unterstrich die zentrale Bedeutung der Ombudsstelle und warnte, dass ihre Leitung eine integre, erfahrene und engagierte Person erfordere, die bereit sei, Spannungen mit politischen und wirtschaftlichen Machtinteressen auszuhalten. Er stimmte zu, dass frühere Ernennungen das Ergebnis parteipolitischer Absprachen waren, was zu einer schwachen Leistung führte, und forderte, dass die nächste Besetzung frei von solchen Einflüssen sein müsse.
Neue Kritik am Auswahlverfahren entstand, nachdem bekannt wurde, dass die amtierende stellvertretende Ombudsfrau, Natalia Sosa Flores, die entweder das Amt der Ombudsfrau oder ihre Wiederernennung anstrebt, weiterhin aktives Mitglied der Partido Colorado (ANR) ist. Oppositionelle Senatoren wie Rubén Velázquez (Yo Creo) und Eduardo Nakayama (PLRA) warfen ihr vor, damit gegen das Organisationsgesetz der Ombudsstelle zu verstoßen, das eine Aussetzung der Parteimitgliedschaft während der Amtszeit vorschreibt.
Nakayama bezeichnete die Situation als „Relikt des Stronismus“ und verwies damit auf die Praktiken des autoritären Regimes von Alfredo Stroessner. Die Parlamentarier erinnerten zudem an Aussagen von Präsident Santiago Peña, der während des Wahlkampfs die Parteimitgliedschaft als Weg in den öffentlichen Dienst propagiert hatte. Sie stellten infrage, ob fachliche Eignung zugunsten politischer Loyalität vernachlässigt werde.
