Paraguay erkennt Verantwortung für Ermordung von Journalisten nach 35 Jahren an

Der paraguayische Staat hat öffentlich seine Verantwortung für die Ermordung des Journalisten Santiago Leguizamón im Jahr 1991 anerkannt und damit teilweise ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IGH) umgesetzt. Währenddessen kritisieren die Familie und der Journalistenverband die anhaltende Straflosigkeit der Tat sowie die Verbindungen der aktuellen Regierung zu den Auftraggebern.

Paraguay erkennt Verantwortung für Ermordung von Journalisten nach 35 Jahren an

Der paraguayische Staat hat am Mittwoch, dem 27. Juli 2026, eine öffentliche Zeremonie zur Anerkennung seiner internationalen Verantwortung für die Ermordung des Journalisten Santiago Leguizamón Zaván abgehalten. Das Verbrechen hatte sich am 26. April 1991 in Pedro Juan Caballero ereignet. Die Veranstaltung im Serafina-Dávalos-Saal des Justizpalastes in Asunción erfüllte einen Teil des Urteils des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (Interamerikanischer Gerichtshof für Menschenrechte, IAGMR) im Fall "Santiago Leguizamón Zaván und andere gegen Paraguay".

Der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Alberto Martínez Simón, vertrat den Staat und räumte ein, dass die Institutionen unzureichende Antworten gegeben hätten, und bezeichnete die Tat als Angriff auf die Pressefreiheit. Er erkannte die Verletzung internationaler Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Schutz grundlegender Rechte und der sorgfältigen Untersuchung der Tat an, ebenso wie die schwerwiegenden Folgen der langandauernden Straflosigkeit für die Familie des Opfers.

Dante Leguizamón, der Sohn des Journalisten, nahm die Entschuldigung mit Genugtuung auf, betonte jedoch, dass der Großteil des Urteils nicht umgesetzt worden sei. Er kritisierte den Widerstand der Regierungsmehrheit gegen die Verabschiedung eines Gesetzes zum Schutz von Journalisten und Menschenrechtsverteidigern und erklärte, der heutige Staat "greife Journalisten, Verteidiger, Bauern und Indigene an", anstatt diese Agenda voranzutreiben.

Der Journalistenverband von Paraguay (Sindicato de Periodistas del Paraguay, SPP) beanstandete, dass die Ermordung von Leguizamón weiterhin ungesühnt bleibe und dass nach ihm 21 weitere Journalisten im Land getötet worden seien. Der Generalsekretär des SPP, Santiago Ortiz, betonte, dass Untätigkeit, Nachlässigkeit und Mittäterschaft von Machtsektoren eine Straflosigkeit gefestigt hätten, die die gefährliche Botschaft sende, dass die Tötung eines Journalisten straffrei bleiben könne.

Laut Informationen von ABC Color, die nicht unabhängig bestätigt werden konnten, schloss die Familie den Präsidenten Santiago Peña und Parlamentsabgeordnete bewusst von der Zeremonie aus. Sie soll geltend gemacht haben, dass das aktuelle Regierungsteam "zu eng mit denen verbunden sei, die den Mord in Auftrag gegeben haben". Dante Leguizamón soll gesagt haben: "Wir wissen, wer die Ermordung von Santiago befohlen hat, und wir wissen, wer ihre engsten Vertrauten waren."

An der Veranstaltung nahmen Amtsträger wie Generalstaatsanwalt Emiliano Rolón und Abgeordnete verschiedener Parteien teil, doch die Abwesenheit von Vertretern der Exekutive auf höchster Ebene fiel auf. Die Familie kritisierte ebenfalls die Ablehnung, eine ähnliche Zeremonie in Pedro Juan Caballero abzuhalten, der Region mit den meisten ermordeten Journalisten des Landes.

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Quellen (5)

Aktualisiert: 28.07.2026, 01:30