Der Stopp der Rindfleischexporte aus Brasilien in die Europäische Union hat den Wettbewerbsdruck auf die paraguayische Fleischproduktion erhöht, insbesondere auf den Märkten in Chile und den USA. Dies erklärte Daniel Burt, Geschäftsführer der paraguayischen Fleischkammer (Cámara Paraguaya de la Carne). Er warnte zudem vor der Notwendigkeit klarer Regeln für die Verteilung einer möglichen Mercosur-Quote für den europäischen Markt.
Da Brasilien weniger Zugang zur EU hat und China eine Quote auferlegt, könnte das Land einen Teil seines Angebots in Märkte umlenken, die auch für Paraguay von strategischer Bedeutung sind. Burt zufolge könnte dies dazu führen, dass brasilianische Schlachthöfe in diesen Märkten aggressiver auftreten.
Chile gilt als besonders sensibler Markt, da es nahezu alle Teile des Schlachtkörpers abnimmt, während andere Länder sich auf bestimmte Produkte konzentrieren. Die geografische Nähe verringert zudem Transportzeit und -kosten. „Was Brasilien betrifft, ist das nicht unbedingt positiv für Paraguay“, so Burt.
Die EU macht zwar weniger als 5 % des paraguayischen Exportvolumens aus, ist aber kommerziell wichtig, da sie hohe Preise für bestimmte Fleischstücke zahlt und Nischenmärkte bedient. Die brasilianische Einschränkung erfolgt nur wenige Monate nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur. Aus Sicht der paraguayischen Fleischkammer wirft dies Fragen zur Verlässlichkeit der vereinbarten Marktöffnung auf.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Aufteilung der Quote, die dem Mercosur möglicherweise für den europäischen Markt zugeteilt wird. Die Mitgliedsländer – Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay – müssen sich intern auf eine Verteilung einigen. Ohne Einigung würde das Prinzip gelten, dass das Land, das die Quote zuerst nutzt, den verfügbaren Raum beansprucht.
Die paraguayische Fleischkammer plädiert für eine gleichberechtigte Aufteilung unter den Mercosur-Partnern. Burt verwies darauf, dass Mechanismen geschaffen werden könnten, um nicht genutzte Quotenanteile umzuverteilen, wie es bereits im System mit Kolumbien praktiziert wird. Die gesundheitlichen Einschränkungen für Brasilien, das ursprünglich einen größeren Anteil gefordert hatte, machen diese Diskussion noch dringlicher.
Trotz des Risikos, dass brasilianisches Angebot auf paraguayische Märkte drängt, durchläuft Paraguay eine Phase der kommerziellen Expansion mit über 80 für Rindfleisch zugelassenen Märkten. Die Fleischkammer betont zudem Investitionen in den Sektor sowie Verbesserungen bei den nationalen Kontrollsystemen für Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit, die als entscheidend für den Zugang zu hochpreisigen Märkten gelten.
