Eine 20-jährige Paraguayerin wurde von der brasilianischen Bundespolizei in Marechal Cândido Rondon im Bundesstaat Paraná befreit, nachdem sie mit einem vorgetäuschten Arbeitsangebot nach Brasilien gelockt und laut vorläufigen Ermittlungen sexuell ausgebeutet worden war.
Der Fall begann, als die Mutter einen Hilferuf ihrer Tochter erhielt, die sich ein Mobiltelefon besorgt und ihren Standort übermittelt hatte. Die Information wurde an die paraguayische Nationalpolizei in Alto Paraná weitergegeben, die wiederum die brasilianische Bundespolizei und das paraguayische Konsulat in Foz do Iguaçu einschaltete. An der Operation war auch das Tripartite-Kommando beteiligt, ein polizeilicher Koordinierungsmechanismus zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien.
Die mit den Initialen A.S. identifizierte junge Frau hatte Ciudad del Este verlassen, in der Annahme, sie würde in einer Näherei oder Fabrik in São Paulo arbeiten. Während der Fahrt wurde die Route jedoch nach Marechal Cândido Rondon umgeleitet, etwa 160 Kilometer von Foz do Iguaçu entfernt. Bei ihrer Ankunft stellte sie fest, dass sie in ein Bordell gebracht worden war, und weigerte sich, sexuelle Dienstleistungen zu erbringen.
Die von den Behörden und der paraguayischen Presse veröffentlichten Berichte weichen in einigen Details über die Dauer der Gefangenschaft und die Route voneinander ab. Eine Version besagt, dass sie zwischen 24 und 48 Stunden festgehalten und körperlich misshandelt wurde. Zudem wird geprüft, ob fünf weitere paraguayische Frauen in verschiedene Einrichtungen gebracht wurden, doch ihr Aufenthaltsort und ihre Situation sind noch nicht bestätigt.
Der stellvertretende Kommissar José Rolón vom Antihandelsdezernat der Polizei in Alto Paraná war an der Abstimmung mit den brasilianischen Beamten beteiligt. Die junge Frau wurde am Mittwoch, dem 9. September 2026, lokalisiert und befreit, anschließend nach Ciudad del Este gebracht, wo sie ihre Mutter wieder traf und eine Aussage machte.
Die Ermittlungen leitet Staatsanwältin Vivian Coronel von der Sonderstaatsanwaltschaft gegen Menschenhandel sowie sexuelle Ausbeutung von Kindern, Jugendlichen und Frauen, die dem paraguayischen Justizministerium untersteht. Die Betroffene erhielt psychologische Betreuung und Schutzmaßnahmen, während die Behörden versuchen, die Verantwortlichen für die Anwerbung zu identifizieren und weitere mögliche Opfer ausfindig zu machen.
Der Fall unterstreicht ein in der Grenzregion bekanntes Muster: Falsche Jobangebote werden genutzt, um Frauen nach Brasilien zu locken, wo sie anschließend festgehalten und sexuell ausgebeutet werden. Ob weitere Opfer existieren, wird noch ermittelt, und es steht nicht fest, ob alle gefunden wurden oder denselben Bedingungen ausgesetzt waren.
