Der Mercosur und Japan haben die Verhandlungen über ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) aufgenommen, das eine der größten Freihandelszonen der Welt schaffen könnte. Diese würde rund 400 Millionen Menschen und ein kombiniertes BIP von 7 Billionen US-Dollar umfassen. Die Ankündigung erfolgte während des LXVIII. Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs des Mercosur in Luque, Paraguay.
Das Abkommen zielt darauf ab, den Marktzugang für landwirtschaftliche und industrielle Produkte zu erweitern sowie gegenseitige Zusammenarbeit und Investitionen zu fördern. Japan gehört zu den zehn wichtigsten Handelspartnern des südamerikanischen Blocks, mit einem Handelsvolumen von 13,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Der Mercosur beherbergt zudem die größte japanische Gemeinschaft außerhalb Japans.
Die Verhandlungen schreiten nach zwei vorbereitenden Treffen in Asunción im Januar und in Yaoundé, Kamerun, im März dieses Jahres voran. Das Abkommen soll strategische Wertschöpfungsketten wie kritische Mineralien, Energie und Agrarwirtschaft integrieren sowie die Ernährungs- und Wirtschaftssicherheit angesichts einer instabilen globalen Lage stärken.
Die Automobilbranche ist eines der Hauptinteressengebiete Japans, da Hersteller wie Toyota, Honda und Nissan in Brasilien und Argentinien mit hohen Zöllen konfrontiert sind. Ein Vertrag mit dem Mercosur würde es ihnen ermöglichen, unter ausgeglicheneren Bedingungen mit europäischen Konkurrenten zu konkurrieren, die bereits von einem Handelsabkommen zwischen dem Block und der Europäischen Union im Jahr 2026 profitieren.
Historisch galt die japanische Agrarlobby, insbesondere die Viehwirtschaft, als Hindernis für Fortschritte in den Handelsbeziehungen. In jüngster Zeit haben jedoch japanische Gesetzgeber größere Offenheit signalisiert, sofern der lokale Rindfleischsektor geschützt wird. Der Mercosur wiederum bietet Ressourcen wie Öl, Lithium und Seltene Erden, die für die Technologie- und Verteidigungsindustrie essenziell sind.
