Die Sekretariat für Sprachpolitik Paraguays leitet ein Projekt zur Erstellung des ersten historischen Korpus des paraguayischen Spanisch aus dem 18. Jahrhundert. Ziel ist es, hundert zwischen 1700 und 1800 entstandene Dokumente zu sammeln und zu digitalisieren, um Forschern und Interessierten freien Zugang zu ermöglichen.
Koordiniert wird die Arbeit von der Generaldirektion für Sprachforschung des Sekretariats, mit Unterstützung des spanischen Philologen José Luis Ramírez Luengo vom Spanischen Nationalen Forschungsrat (CSIC) sowie der Forscherin Estela Peralta de Aguayo vom Spracheninstitut der Nationalen Universität Asunción (UNA).
Die Auswahl der Dokumente erfolgt nach drei Kriterien: Chronologie, geografische Herkunft und Textsorte. Die Hälfte der Texte stammt aus Asunción, die andere Hälfte aus verschiedenen Regionen des Landes. Darunter befinden sich Briefe, Testamente, Inventare, Gerichtsakten, Verwaltungsberichte und kirchliche Dokumente.
Die Materialien werden aus nationalen und internationalen Archiven bezogen, darunter das Nationalarchiv von Asunción, die Nationalbibliothek Paraguays und das Allgemeine Nationalarchiv Argentiniens. Nach der Auswahl durchlaufen die Texte eine paläografische Transkription und philologische Bearbeitung, die internationalen Standards für linguistische Korpora entspricht.
Das Projekt ermöglicht die Untersuchung phonetischer, lexikalischer und morphosyntaktischer Merkmale sowie des Sprachkontakts mit Guaraní und Portugiesisch. Zudem sollen soziale und kulturelle Praktiken der Epoche erschlossen werden. Die Initiative schließt eine Lücke in der diachronen Erforschung des Spanischen in der Region und würdigt das paraguayische Kulturerbe.
