Das Projekt für das binationale Wasserkraftwerk Corpus Christi am Paraná-Fluss befindet sich in der Phase der Vorstudien. Die geplante Investition wird auf etwa fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Die derzeit geprüfte Variante sieht vor, Bau und Betrieb an ein privates Unternehmen zu vergeben, da beide Regierungen die Finanzierung nicht allein stemmen könnten.
Enrique Guardo, Direktor für Verwaltung der argentinischen Delegation in der Paraguayanisch-Argentinischen Kommission für den Paraná-Fluss (Comip), erklärte, dass weder die Finanzierung noch das endgültige Betreibermodell bereits feststehen. Die aktuelle Planung umfasst 20 Turbinen, eine installierte Leistung von 2.880 Megawatt und eine jährliche Stromerzeugung von 20.000 Gigawattstunden – vergleichbar mit dem Kraftwerk Yacyretá.
Der geplante Standort liegt etwa 60 Kilometer flussaufwärts von Itacuá, einem in früheren Projekten erwogenen Standort. Diese Verlegung würde die betroffene Fläche verringern, wie Guardo darlegte: rund 6.000 bis 6.500 Hektar auf argentinischer Seite und etwa 6.800 Hektar auf paraguayischer Seite.
Mehr als 220 Familien müssten entlang eines etwa 250 Kilometer langen Abschnitts umgesiedelt werden – 116 in Argentinien und zwischen 120 und 130 in Paraguay. Das Projekt sieht keine Überflutung städtischer Gebiete oder großflächige Umsiedlungen vor. Die Comip betont, dass das Ausmaß der Eingriffe geringer sei als bei Yacyretá, wo allein auf argentinischer Seite rund 7.000 Umsiedlungen erforderlich waren.
Die Lage in einem engeren Abschnitt des Paraná würde ermöglichen, dass ein Teil des gestiegenen Wasserspiegels von den Uferbereichen aufgefangen wird. Dennoch bleiben territoriale und ökologische Auswirkungen zentrale Punkte, die in den seit fast sechs Jahrzehnten laufenden Studien aktualisiert werden müssen. Die aktuelle Planung unterscheidet sich von dem 1996 in der argentinischen Provinz Misiones per Volksabstimmung abgelehnten Projekt durch den neuen Standort, technische Fortschritte und strengere Umweltauflagen.
Aktuell gibt es von der Comip keinen Antrag auf eine neue Volksabstimmung. Die Entscheidung über eine mögliche Konsultation liegt bei der Provinz Misiones. Die Kommission arbeitet mit der Nationalen Universität Misiones, dem Berufsverband der Ingenieure und dem Wirtschaftsverband der Provinz zusammen. Zudem besteht eine Kooperation mit der Universität Itapúa für die territorialen Erhebungen in Paraguay.
Der vorläufige Zeitplan sieht eine Bauzeit von etwa sechs Jahren vor, wobei die ersten Turbinen ab dem fünften Jahr in Betrieb gehen könnten. Die geschätzte interne Rendite von über zehn Prozent soll die Attraktivität des Projekts für private Investoren unterstreichen.
Corpus Christi ist bereits im Energieplan der staatlichen paraguayischen Elektrizitätsgesellschaft ANDE für den Zeitraum 2024 bis 2043 enthalten. Neben der Stromerzeugung umfasst das Projekt den Bau einer Brücke über den Paraná und wird als mögliches Bindeglied für die Stromnetze Paraguays, Brasiliens und Argentiniens dargestellt, mit Option auf eine weiterreichende regionale Vernetzung. Die Stabilisierung der Ufer könnte zudem die Schifffahrt, Häfen und Logistik begünstigen, insbesondere für die umfangreiche Binnenschiffsflotte Paraguays.
