Paraguay strebt eine faire, ausgewogene und angemessene Verteilung der Quoten im Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur an. Als gleichberechtigtes Mitglied des südamerikanischen Staatenbunds verlangt das Land keine Sonderbehandlung. Das Abkommen bietet je nach Umsetzung Chancen auf einem Markt mit rund 450 Millionen Verbrauchern, Zollvorteile und klare Verfahren für Anforderungen über Zölle hinaus.
Darüber wurde am 30. September bei der Veranstaltung „Acuerdo UE-Mercosur: Oportunidades para Paraguay“ im Centro Cultural del Puerto in Asunción diskutiert. Veranstalter waren die Delegation der Europäischen Union sowie Paraguays Außenministerium und das Ministerium für Industrie und Handel. Außenminister Rubén Ramírez Lezcano hielt die Eröffnungsrede.
Ramírez erklärte, die angestrebte Quotenverteilung sei noch nicht erreicht und die Verhandlungen seien komplex. Er stellte Paraguays Produktion als Ergänzung zu Europas Bedarf an Ernährungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit dar. Außerdem bot er staatliche Unterstützung an, um paraguayische Unternehmen mit Importeuren aus der Europäischen Union zusammenzubringen.
Im Unternehmenspanel sagte Enrique Duarte, Präsident des paraguayischen Industrieverbandes (UIP), das Abkommen könne das Produktionsmodell verändern, wenn der Marktzugang Einkommen, Chancen für lokale Zulieferer und hochwertige Arbeitsplätze schaffe. Potenzial sah er bei Elektronik, Kunststoffen und Forstprodukten, sofern die Anforderungen des Marktes erfüllt werden können.
Duarte nannte Hindernisse bei der Strominfrastruktur, Logistik, den Institutionen, der Zertifizierung und der Rückverfolgbarkeit. Er bat EU-Botschafterin Katja Afheldt um Unterstützung beim Aufbau entsprechender Zertifizierungs- und Rückverfolgbarkeitskapazitäten im Land, unter Berücksichtigung des Umweltschutzes. Zur Vorbereitung gehören Nachweise über die Herkunft der Produkte und die Einhaltung der geforderten Standards.
In einer jüngeren Stellungnahme, die das staatliche Fernsehen zitierte, erklärte UIP-Direktor Eduardo Felippo, die Erfüllung europäischer Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen könne den Zugang zu anderen Weltmärkten erleichtern.
Ricardo Dos Santos von Paraguays Nationaler Handels- und Dienstleistungskammer (CNCSP) warnte, Vorteile entstünden weder automatisch noch gleichmäßig: Sie hingen von der Umsetzung, der Anpassung der Unternehmen und begleitenden Maßnahmen ab. Er forderte Fortschritte bei Logistik, Handelserleichterungen, Digitalisierung, regulatorischer Qualität, Zertifizierungen und Finanzierung. Für die Vorbereitung der Firmen seien Informationen, Branchenanalysen und Dialog wichtig, mit besonderem Augenmerk auf kleine und mittlere Unternehmen.
Dos Santos bot das Investitionsförderungszentrum der CNCSP an, um europäische Investoren mit paraguayischen Firmen zu verbinden. Hinzu komme das paraguayische Schieds- und Mediationszentrum (CAMP), das auf Wirtschaftsstreitigkeiten spezialisiert ist. Berechenbarkeit, verlässliche Institutionen und die Abstimmung zwischen öffentlichem und privatem Sektor seien Voraussetzungen, um die Chancen des Abkommens zu nutzen.
