Die paraguayische Senatorin Esperanza Martínez übte scharfe Kritik an dem, was sie als „Tragödie“ des politischen Systems ihres Landes bezeichnete. Sie erklärte, ehrliche Menschen würden als Problem behandelt, während Korruption toleriert werde. In einem Gespräch mit dem Sender El Observador Radio-TV sagte die Parlamentarierin, das System „spucke“ und verstoße diejenigen aus, die sich korrekt verhielten, da sie für diejenigen, die Einflussnahme und Machtmissbrauch betrieben, zum Störfaktor würden. „Die Ehrlichen sind das Problem, nicht die Korrupten. Das ist die Tragödie Paraguays“, betonte sie.
Martínez weitete ihre Vorwürfe aus und behauptete, es gebe Senatoren, Abgeordnete, Gouverneure und Minister, die mit dem Drogenhandel in Verbindung stünden und ihre Wahlkämpfe mit illegalen Geldern finanzierten, ohne dass die Wahlbehörde dies aufdecke. Sie hob hervor, dass keiner der gewählten Amtsträger, gegen die später strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet würden, bestraft werde. Als deutlichstes Anzeichen für Korruption nannte die Senatorin die Diskrepanz zwischen den offiziellen Gehältern und dem luxuriösen Lebensstil vieler Amtsträger. Sie verwies auf ihr eigenes Gehalt von 37 Millionen Guaraní und fragte, wie ein Beamter Immobilien im Wert von mehreren Millionen US-Dollar erwerben könne, ohne öffentliche Gelder zu veruntreuen.
Die Parlamentarierin nannte Institutionen wie die Geldwäschepräventionsbehörde (Seprelad) und die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität als Stellen, die solche plötzlichen Vermögenszuwächse untersuchen müssten. Auch die Zollbehörde und das staatliche Mineralölunternehmen Petropar bezeichnete sie als Bereiche, in denen sich illegale Bereicherung besonders deutlich zeige. Als Beispiel führte sie die aufwändige Feier zum 15. Geburtstag einer Gouverneurin des Departements Concepción an.
Martínez bezeichnete die paraguayische Gesellschaft als „heuchlerisch“, da dieselben Personen, die in Korruptionsaffären verwickelt seien, sich öffentlich in Clubs und bei Veranstaltungen zeigten. Sie warnte, dass die Straflosigkeit es diesen Akteuren ermögliche, mit ihren finanziellen Mitteln große Wahlkämpfe zu finanzieren und Stimmen zu kaufen, um die politische Landschaft weiterhin zu dominieren. Als Lösung forderte die Senatorin ein Erwachen der Bürgerschaft und plädierte dafür, dass die Bevölkerung Korrupte gesellschaftlich ächten müsse. „Wenn die Menschen, die ihr Geld mit harter Arbeit verdienen, sagen: ‚Ich setze mich nicht mit Korrupten an einen Grill‘, dann wird sich etwas ändern“, schloss sie. Sie sieht das Fehlen sozialer und rechtlicher Sanktionen als Kern des Problems.
