Am 26. August hat der Senat ein Gesetzesvorhaben verabschiedet, das den „Nationalen Tag der Evangelischen Kirche“ in Paraguay einführt. Der Gedenktag soll am letzten Oktobersonntag begangen werden. Der angenommene Text schafft keinen gesetzlichen Feiertag. Das Projekt wird nun an die Abgeordnetenkammer weitergeleitet und muss, falls es dort angenommen wird, die weiteren Schritte des Gesetzgebungsverfahrens durchlaufen.
Die verabschiedete Fassung weicht vom ursprünglichen Entwurf der Senatoren Orlando Penner, Lizarella Valiente, Blanca Ovelar und Gustavo Leite ab, der den 31. Oktober als festes Datum vorsah. Stattdessen wurde ein beweglicher Sonntag gewählt. Die Erklärung hat institutionellen und feierlichen Charakter, sieht jedoch keinen arbeitsfreien Tag vor. Ein Feiertag war vor der Abstimmung erörtert worden, wurde aber nicht in den angenommenen Text aufgenommen.
Ebenfalls gestrichen wurde der Passus, der das Bildungs- und Wissenschaftsministerium (MEC) über das Vizeministerium für Kultus verpflichtet hätte, den Gedenktag in den Schulkalender aufzunehmen. Die Streichung wurde von Blanca Ovelar vorgeschlagen und nach kurzer Debatte vom Plenum angenommen. Ein Antrag der Senatorin Yolanda Paredes, die Beratung zu vertagen, fand keine Mehrheit.
Damit beschränkt sich die Maßnahme praktisch auf eine offizielle Anerkennung und Gedenkfunktion: Sie begründet weder automatisch einen arbeitsfreien Tag noch eine Pflicht zur Aufnahme in den Schulkalender. Das unterscheidet die Initiative von einer Regelung, die den Schulbetrieb oder Arbeitszeiten verändern würde, und legt ihren institutionellen Umfang fest.
Das Vorhaben soll die historische, soziale und geistliche Bedeutung der evangelischen Gemeinden in Paraguay würdigen. Der Text stieß jedoch auf Kritik der Evangelisch-Lutherischen Kirche Paraguays (IELPA) und der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP), die eine Überarbeitung des Namens des künftigen Gesetzes sowie der historischen Begründung fordern.
In einer Stellungnahme an den Senatspräsidenten Basilio Núñez sprachen sich IELPA und IERP dafür aus, den Gedenktag als „Tag der Reformation“ oder schlicht „Reformationstag“ zu bezeichnen. Nach Darstellung der Organisationen steht der 31. Oktober für die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers in Wittenberg im Jahr 1517 und markiert damit einen gemeinsamen Bezugspunkt verschiedener protestantischer Traditionen.
Die Kirchen kritisierten zudem die Betonung der anglikanischen Missionen unter Wilfred Barbrooke Grubb im späten 19. Jahrhundert in der Begründung des Projekts. Nach Darstellung von IELPA und IERP sollte die Begründung auch die deutschsprachige Einwanderung sowie Institutionen der lutherischen Tradition wie die IERP, die Goethe-Schule und die IELPA berücksichtigen.
IELPA und IERP erklären, die IERP sei aus einem 1893 gegründeten Verein hervorgegangen und ein von ihnen angeführter erster protestantischer Tempel sei 1894 eingeweiht worden. Außerdem geben die Organisationen an, die IELPA habe ihre Arbeit in Paraguay ab den 1930er-Jahren ausgebaut. Diese historischen Angaben stammen von den Organisationen selbst und müssen unabhängig überprüft werden, bevor sie als gesicherte Tatsachen gelten.
Die Organisationen verwiesen zudem auf ihr Engagement in Schulen, Genossenschaften und kommunalen Einrichtungen in verschiedenen Regionen Paraguays. Das Projekt behält vorerst die vom Senat beschlossene Bezeichnung bei und wird nun von den Abgeordneten geprüft.
