Rechnungshof: IPS zahlte über 50 Milliarden Guaraní an mehr als 11.000 verstorbene Rentner aus

Eine Prüfung des paraguayischen Rechnungshofs ergab, dass das Instituto de Previsión Social (IPS) über 50 Milliarden Guaraní an mehr als 11.000 verstorbene Rentner ausgezahlt hat. Zudem wurden Diskrepanzen von über 624 Milliarden Guaraní in den Lagerbeständen festgestellt. Parallel dazu streiken öffentliche Ärzte für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Rechnungshof: IPS zahlte über 50 Milliarden Guaraní an mehr als 11.000 verstorbene Rentner aus

Eine Prüfung des Rechnungshofs zum Instituto de Previsión Social (IPS), der paraguayischen Sozialversicherungsanstalt, ergab, dass mehr als 50 Milliarden Guaraní an über 11.000 verstorbene Rentner ausgezahlt wurden. Der Bericht wurde am 31. August dem Parlament vorgelegt. Rechnungshofpräsident Camilo Benítez erklärte, das Problem hätte durch eine Datenabgleichung zwischen dem IPS und dem Zivilstandsregister vermieden werden können.

Der genaue Betrag soll noch durch eine forensische Prüfung ermittelt werden. Benítez wies darauf hin, dass die Schwachstelle bereits in früheren Jahren beanstandet worden war, sich aber 2025 erneut zeigte. Die Ergebnisse werden nun von der forensischen Abteilung und der Rechtsberatung des Rechnungshofs geprüft, bevor sie gegebenenfalls an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Die festgestellten Unregelmäßigkeiten stellen daher noch keine strafrechtliche Verurteilung dar.

Der Bericht deckte zudem eine Differenz von über 624 Milliarden Guaraní zwischen den Aufzeichnungen des Integrierten Krankenhaussystems und dem SAP-System auf, das das IPS zur Kontrolle von Produkten und Lagerbeständen nutzt. Nach der Aktualisierung der Daten sank der Wert der erfassten Medikamente und Verbrauchsgüter um etwa 45 Prozent. „Wir können nichts bestätigen, aber auch nichts ausschließen“, sagte Benítez mit Blick auf mögliche Buchungsfehler oder den Schwund von Waren.

Laut Benítez belaufen sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten des IPS auf über eine Billion Guaraní, was die Fähigkeit der Institution einschränkt, Medikamente und medizinisches Material zu beschaffen, da ein Teil der Mittel für alte Verpflichtungen verwendet wird. Die Prüfung erwähnte außerdem rund 25 Millionen US-Dollar aus gerichtlich bestätigten privaten Vereinbarungen, die für Ausgaben genutzt wurden, welche die üblichen öffentlichen Vergabeverfahren umgingen. Zudem wurden Immobilien mit einer Rendite von unter einem Prozent angemietet.

Benítez führte die Probleme auf frühere Verwaltungen zurück und nannte insbesondere die Amtszeit von Vicente Bataglia. Gleichzeitig würdigte er Jorge Brítez, den ehemaligen IPS-Präsidenten, der die Prüfung veranlasst hatte. Brítez schied im April 2026 aus dem Amt aus und wird in Medienberichten als Gegenstand von Ermittlungen genannt. Bataglia wurde in den vorgelegten Informationen nicht als verurteilt oder rechtlich verantwortlich für die Auszahlungen dargestellt.

Benítez bezeichnete das IPS als „mit Abstand die unorganisierteste Institution“ des Staates. Die Vorstellung des Berichts fiel in eine Zeit, in der er selbst als Favorit für eine Wiederernennung gilt. Auf Vorwürfe eines angeblichen politischen Lobbyings angesprochen, bestritt Benítez eine Kampagne und betonte, die Aufgabe empfinde er „eher als Verantwortung und Last denn als Amt“. Er kritisierte zudem das Ausbleiben von Konsequenzen in früheren Fällen und schätzte, dass der Rechnungshof in den letzten Jahren Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Wert von über einer Milliarde US-Dollar entdeckt habe.

Die Verwaltungskrise fällt mit einer Protestwelle öffentlicher Ärzte zusammen. Über 300 Mediziner reichten nach einer einwöchigen landesweiten Streikaktion ihre Kündigung beim Gesundheitsministerium ein. Der Nationale Ärzteverband (Sinamed) unter der Leitung von Rosanna González fordert eine Erhöhung des Gehalts für eine 12-Stunden-Woche von 5 Millionen auf 8 Millionen Guaraní sowie die Bereitstellung von Material, die Bezahlung von Feiertagen und die Regulierung von Verträgen. Von den rund 11.000 Ärzten im öffentlichen Dienst sind etwa 9.000 befristet beschäftigt.

González selbst wird in Unterlagen des Gesundheitsministeriums mit drei Anstellungen geführt, die zusammen 13,3 Millionen Guaraní monatlich einbringen. Zudem erhält sie 12.057.430 Guaraní vom IPS. Vicente Acuña, Direktor des Krankenhauses San Pablo, erklärte, sie arbeite seit etwa sieben Jahren in der Arbeitsmedizin, im administrativen Bereich der Personalabteilung, und führe weder Schwangerschaftsvorsorge durch noch nehme sie Geburten vor. Die Angaben zu ihrem Tätigkeitsbereich und ihrer Vergütung stammen aus einem Interview eines anderen Mediums. Eine Stellungnahme von González oder eine unabhängige Prüfung, die alle Details bestätigt, lagen dem vorliegenden Material nicht bei.

Teilen WhatsApp Facebook LinkedIn

Quellen (8)

Aktualisiert: 01.09.2026, 01:01