Senatoren hielten die Erklärungen von Jalil Rachid, Minister der Nationalen Antidrogenbehörde (SENAD), zum Einsatz „Operación Redención“ für unzureichend. Bei dem Einsatz waren am 14. August in Canindeyú zwei Menschen getötet worden. Nach einem vertraulichen Gespräch mit dem Senatspräsidium sprachen sich die Parlamentarier für eine umfassendere Untersuchung aus, um den Ablauf der Aktion und die Rolle der Getöteten aufzuklären.
Antonio Carrillo wurde von den Behörden als Anführer einer indigenen Gemeinschaft beschrieben, der mit der kriminellen Organisation des flüchtigen Drogenhändlers Felipe Santiago Acosta Riveros, bekannt als „Macho“, in Verbindung stand. Catalino Correa hingegen war Lehrer, und Angehörige sowie Anwohner gaben an, er habe sich in der Region für eine Veranstaltung zum Kindertag aufgehalten.
Die offizielle Version besagt, dass beide Männer Waffen militärischer Verwendung bei sich trugen und auf SENAD-Beamte schossen. Die Senatorin Yolanda Paredes von der Partei Cruzada Nacional erklärte, Rachids Darstellung habe nicht geklärt, wie das Team im Rahmen eines Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehls auf eine Nebenstraße gelangte und welche genaue Rolle Correa spielte.
„Für mich ergibt diese Geschichte keinen Sinn“, sagte Paredes. Sie bezweifelte zudem, ob ein mögliches Informationsleck im Vorfeld der Operation ausgeschlossen werden könne. Laut der Senatorin beweise der Fund von angeblich in einem Fahrzeug sichergestellten Waffen nicht automatisch, dass der Lehrer diese besessen habe. Paredes fügte hinzu, dass die Parlamentarier zwar Hinweise auf Telefonüberwachungen im Zusammenhang mit Carrillo erhalten hätten, ihnen jedoch weder die Aufnahmen noch unterstützende Dokumente vorgelegt worden seien.
Der Senator Rafael Filizzola von der Demokratisch Progressiven Partei (PDP) berichtete eine weitere Version, die von Anwohnern aus Corpus Christi stammte: Carrillo und Correa seien auf dem Weg zu einem Treffen mit dem Verwalter einer Farm gewesen, als sie von Zivilisten festgehalten und gefoltert worden seien, bevor die SENAD eintraf. Er verwies auf angebliche Fesselspuren an Handgelenken und Knöcheln der Toten und stellte die Position infrage, in der Correa im Fahrzeug aufgefunden wurde.
Filizzola erklärte, Rachid habe sich vor allem auf nachrichtendienstliche Informationen gestützt, ohne den Senatoren dokumentarische Belege für eine Verbindung der Getöteten zu einer kriminellen Organisation vorzulegen. Für den Parlamentarier machten die Aussagen von Anwohnern sowie Stellungnahmen von Institutionen und religiösen Führern die offizielle Version „sehr fragwürdig“. Diese Vorwürfe sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
Neben der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft fordern die Senatoren eine interne Aufklärung bei der SENAD. Ziel ist es, mögliche Unregelmäßigkeiten oder übermäßigen Gewalteinsatz zu prüfen, aber auch die Rechtmäßigkeit der Aktion zu bestätigen und die Beamten zu schützen, falls der Einsatz tödlicher Gewalt gerechtfertigt war. Ob es sich um einen Hinterhalt und einen Schusswechsel handelte, hängt von den Beweisen ab, die die Staatsanwaltschaft zusammenträgt; bislang gibt es keine unabhängige Feststellung dazu, welche Version zutrifft.
