Die Gewerkschaft der Beschäftigten von Paraguays staatlichem Stromversorger ANDE (Sitrande) hat die für diesen Dienstag, den 25. geplante Mobilisierung vor dem Hauptsitz des Unternehmens abgesagt. Vorausgegangen war eine Vereinbarung in der Abgeordnetenkammer, die Debatte über das Gesetzesvorhaben zur Gründung eines Ministeriums für Energie, Bergbau und Kohlenwasserstoffe zu erweitern. Die Entscheidung gab Adolfo Villalba, Generalsekretär der Gewerkschaft, nach einem Gespräch mit dem Kammerpräsidenten Raúl Latorre und weiteren Abgeordneten bekannt.
Das Vorhaben, das für die ordentliche Sitzung am Dienstag auf der Tagesordnung stand, hatte bei Sitrande sofortige Reaktionen ausgelöst. Die Gewerkschaft berief eine außerordentliche Versammlung ein, um die Einzelheiten der Protestaktion festzulegen. Sie argumentierte, der Gesetzentwurf gefährde die Struktur der ANDE und die Rechte der Beschäftigten und entspreche nicht der vom Exekutivorgan vorgelegten Fassung. Laut Sitrande handelte es sich um eine alte Initiative von Abgeordneten, die seit mindestens zwei Jahren im Kongress blockiert war.
Während des Treffens sagte Latorre zu, die Abstimmung zu verschieben und einen umfassenden Dialog über Energiefragen einzuleiten, an dem Vertreter der ANDE, Abgeordnete und die Regierung teilnehmen sollen. „Wir werden nichts überstürzen oder aufzwingen. Wir wollen die ANDE stärken und dem Sektor eine klare Perspektive geben“, erklärte der Abgeordnete Alejandro Aguilera, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm. Latorre gab an, mit Präsident Santiago Peña gesprochen zu haben, der bereit sei, einen Konsens in der Angelegenheit zu suchen.
Villalba bewertete das Ergebnis als positiv und kündigte an, die Basis der Gewerkschaft über die getroffenen Zusagen zu informieren. „Nach dieser Ankündigung werden wir keine Mobilisierung durchführen“, erklärte er. Der Gewerkschaftsführer betonte, Paraguay verfüge über strategische Energieüberschüsse, die von der ANDE besser genutzt werden könnten, um die Verbraucher zu entlasten. Der ANDE-Präsident Félix Sosa hatte technische Studien zur Entwicklung der Nachfrage vorgelegt und damit die Bedeutung einer datenbasierten Diskussion unterstrichen.
Sitrande hatte die Beschäftigten aufgefordert, nicht dringende Reisen zu verschieben, um an der Protestaktion teilnehmen zu können. Die Gewerkschaft warnte, die Gründung des neuen Ministeriums und einer Regulierungsbehörde könnte den staatlichen Stromversorger schwächen, der als „Volksvermögen“ gelte. Eine mögliche landesweite Streikaktion, die zeitgleich mit dem Ausstand der Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern wegen Lohnanpassungen stattgefunden hätte, konnte durch die Vereinbarung vermieden werden.
Die Diskussion gewann an Fahrt, nachdem Vizepräsident Pedro Alliana die USA besucht hatte, wo Gerüchte über das Interesse der US-Regierung an der Uranförderung in Paraguay aufkamen. Das Vorhaben war jedoch seit Jahren im Kongress blockiert.
