Präsident Santiago Peña traf sich am Montag mit dem amtierenden Wirtschafts- und Finanzminister Óscar Lovera und sieben ehemaligen Ministern des Ressorts zu einer detaillierten Analyse der Haushaltslage Paraguays. Das Treffen, das im Hauptsitz des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen (MEF) stattfand, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Transparenz der öffentlichen Haushalte und die Anerkennung von Schulden, die nicht ordnungsgemäß erfasst waren.
Nach Berichten der Teilnehmer war einer der zentralen Diskussionspunkte die Entdeckung einer Schuld von 280 Millionen US-Dollar bei Lieferanten des Gesundheitssektors, die nicht in den offiziellen Aufzeichnungen des MEF enthalten war. Der ehemalige Minister César Barreto erklärte, das Problem sei durch eine Diskrepanz zwischen den Finanzsystemen des Gesundheitsministeriums und des MEF entstanden, wo Rechnungen eingingen, aber nicht im Finanzverwaltungssystem des Staates erfasst wurden, wodurch die Verpflichtungen "unsichtbar" blieben. Diese Schuld ist Teil einer Gesamtverbindlichkeit von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar, die der Staat bei Lieferanten hat.
Während des Treffens warnten die ehemaligen Minister, darunter Germán Rojas, Benigno López, Manuel Ferreira, Miguel Gómez, Marco Elizeche und Juan José Galeano, dass die Anerkennung dieser Schulden das Haushaltsdefizit in diesem und im nächsten Jahr auf Werte nahe 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) treiben wird. Sie äußerten Skepsis darüber, ob das Land bis 2028 wieder auf die durch das Gesetz zur Haushaltsverantwortung festgelegte Grenze von 1,5% zurückkehren kann, insbesondere in einem Kontext von Wahljahren.
Manuel Ferreira gehörte zu denen, die die Notwendigkeit von Transparenz betonten, und gab an, Präsident Peña gesagt zu haben: "Wir können nicht weiterhin Müll unter den Teppich kehren." Die Empfehlung war, dass die Regierung offen mit internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds und den Ratingagenturen über die tatsächliche Haushaltslage kommuniziert, selbst wenn dies bedeutet, ein höheres Defizit als ursprünglich prognostiziert einzuräumen.
Als Lösung soll Minister Lovera mitgeteilt haben, dass ein neues einheitliches System zur Verwaltung von Gütern und Dienstleistungen für alle öffentlichen Einrichtungen implementiert wird, um zu verhindern, dass ähnliche Situationen erneut auftreten. Zur Begleichung der Verpflichtungen wird ein Teil der Schulden durch Factoring (Abtretung von Forderungsrechten) beglichen, und ein anderer Teil soll in den Haushalt für 2027 aufgenommen werden, möglicherweise mit Unterstützung einer Anleiheemission.
