Am 31. August wurden dem Gesundheitsministerium Paraguays mindestens 197 formelle Kündigungen von Fachärzten vorgelegt, nachdem ein fünftägiger nationaler Streik am 28. August beendet worden war. Die Nationale Ärztegewerkschaft (Sinamed) gibt an, dass über 300 Mediziner an der Aktion beteiligt sind, während die Senatorin Lilian Samaniego von 443 spricht; diese Zahlen sind noch nicht offiziell bestätigt.
Die dem Ministerium übergebene Liste umfasst 41 pädiatrische Intensivmediziner, 40 Kinderchirurgen, 41 Ärzte der pädiatrischen Therapie am Hospital Acosta Ñu, 24 in Itauguá, 19 am Hospital de Trauma sowie Anästhesisten, pädiatrische Traumatologen und Spezialisten des Instituts für Tropenmedizin. Es gibt Unterschiede in der Erfassung: Eine andere Zählung nennt 39 Kinderchirurgen im gesamten öffentlichen System, während die Verwaltungsliste 40 ausweist. Juan Marcelo Estigarribia, Kabinettschef des Gesundheitsministeriums, führt die Abweichungen darauf zurück, dass jedes Beschäftigungsverhältnis einzeln geprüft werden müsse, da einige Ärzte zwei oder drei Verträge hätten.
Am Kinderkrankenhaus Acosta Ñu schlossen sich 22 der 28 Anästhesisten der Maßnahme an. In Ciudad del Este kündigten 12 pädiatrische Intensivmediziner, was die Abteilung auf nur noch einen Arzt reduzieren könnte. Am Hospital de Trauma reichten 18 der 22 Neurochirurgen ihre Kündigung ein, betonten jedoch, die gesetzlichen Fristen einzuhalten, um die Versorgung nicht sofort zu gefährden. In Coronel Oviedo kündigten 30 Fachärzte des Allgemeinen Krankenhauses, während weitere 30 Kinder- und Neonatologieärzte des Mutter-Kind-Krankenhauses ihre Stellen zur Verfügung stellten. In Itauguá wurden rund 100 Leitungspositionen – darunter ärztliche Direktoren und Abteilungsleiter – zur Disposition gestellt, was jedoch keine Schätzung für das gesamte System darstellt.
Der Druck erreichte auch Krankenhäuser im Landesinneren. In Caacupé wurden die Sprechstunden wieder aufgenommen, doch Patienten berichteten über fehlende Medikamente wie Losartan und Furosemid. Santiago Durañona, Facharzt für Gynäkologie, Geburtshilfe und Perinatalmedizin, kündigte seine Stelle an; der Direktor Hugo Cañete erklärte, das Schreiben noch nicht offiziell erhalten zu haben. In Städten wie Carapeguá, Villarrica, San Juan Bautista und San Ignacio gab es Solidaritätskundgebungen oder Streikunterstützung.
Am Nationalkrankenhaus Itauguá protestierten Krebspatienten, Angehörige und Mitarbeiter gegen den Mangel an Medikamenten, Geräten und Verbrauchsmaterial. María Estela Galeano von der Brustkrebs-Patientenvereinigung erklärte, es gebe weder Mammographie- noch Computertomographiegeräte, Ultraschalluntersuchungen würden erst für Januar terminiert, und Operationen seien ausgesetzt. Sie berichtete zudem von Engpässen bei Losartan, Telmisartan, Furosemid und Dextrose für die Chemotherapie-Zubereitung und sagte, Familien organisierten Tombolas und Veranstaltungen, um Medikamente in privaten Apotheken zu kaufen. Diese Aussagen stammen von der Patientin und sind keine unabhängige Prüfung des Krankenhauses, zeigen jedoch die direkten Folgen der Krise für Betroffene.
Die Ärzte fordern bessere Arbeitsbedingungen, die Festanstellung befristet Beschäftigter, doppelte Bezahlung an Feiertagen und eine Erhöhung des Wochenlohns für 12 Stunden von 5 auf 8 Millionen Guaraní. Der Wirtschafts- und Finanzminister Óscar Lovera hält eine lineare Lohnerhöhung angesichts der Haushaltslage für nicht umsetzbar. Gesundheitsministerin María Teresa Barán setzt sich für die Einführung einer Laufbahn im Gesundheitswesen ein, was nach Ansicht der Gewerkschaft jedoch keine sofortige Anpassung der Gehälter ersetzen könne.
Die Regierung plant, 2.390 befristet Mitarbeiter Ärzte in feste Stellen zu überführen und hat für den Haushaltsentwurf 2027 760 Millionen US-Dollar für Medikamente und Verbrauchsmaterial vorgesehen – 260 Millionen mehr als im Haushalt 2026. Die Summe hängt jedoch noch von der parlamentarischen Beratung ab und ist keine bereits bewilligte Mittelzuweisung. Zudem soll die Schuldenlast bei Lieferanten separat behandelt werden. Estigarribia erklärte, das Ministerium prüfe einen Plan zur Besetzung offener Stellen und zur Bewertung der Auswirkungen auf die Versorgung, ohne jedoch eine endgültige Lösung zu benennen.
Bei einem Treffen in der Präsidialresidenz Mburuvicha Róga nahmen Barán, der stellvertretende Minister Saúl Recalde, der Personalchef und Vertreter der Rechtsabteilung teil. In einem weiteren Termin empfing Präsident Santiago Peña Isaías Fretes, den Vorstandsvorsitzenden des Sozialversicherungsträgers Instituto de Previsión Social (IPS), der ebenfalls mit Lieferengpässen zu kämpfen hat. Der Senator Eduardo Nakayama schlug vor, staatlich finanzierte private Krankenversicherungen abzuschaffen und jährlich 100 bis 120 Millionen US-Dollar in die öffentliche Gesundheitsversorgung zu investieren. Er betonte, dass diese Maßnahme den IPS nicht zusätzlich belasten dürfe, dessen eigene Krise eine gesonderte Lösung erfordere.
Die Föderation der Beschäftigten im öffentlichen Hochschulwesen Paraguays (FETPESPA), die Gewerkschaften von Universitäten und öffentlichen Instituten vereint, hat einen nationalen Alarmzustand ausgerufen. Die Dozenten fordern, dass der Haushalt 2027 eine einheitliche Gehaltstabelle und eine an die Inflation – gemessen am Verbraucherpreisindex der Zentralbank Paraguays – gekoppelte Anpassung enthält. Eine landesweite Mobilisierung wird nicht ausgeschlossen.
Der Arbeitsrechtler Jorge Luis Berni erläuterte, dass Kündigungen bei fest angestellten Mitarbeitern nicht automatisch wirksam werden: Das Ministerium hat bis zu zehn Tage Zeit für eine Reaktion und kann den Arzt aus dienstlichen Gründen bis zu 30 Tage weiterbeschäftigen. Bei befristet Beschäftigten hängt die Frist vom Vertrag ab. Sinamed hat für den 3. September eine außerordentliche Versammlung einberufen, auf der über weitere Streikmaßnahmen beraten werden könnte.
