Haushalt 2027 in Paraguay: Ausgaben steigen um 11,2 %, aber keine Lohnerhöhung für streikende Ärzte

Der Entwurf des paraguayischen Staatshaushalts 2027 sieht Ausgaben in Höhe von 166,322 Billionen Guaraníes vor – ein Plus von 11,2 % – und ein Haushaltsdefizit von bis zu 3,9 % des BIP. Eine Lohnerhöhung für die streikenden Ärzte ist jedoch nicht enthalten. Gleichzeitig wurden fünf Säuglinge aus der Neonatologie eines Krankenhauses in Ciudad del Este verlegt, nachdem ein Flohbefall aufgetreten war.

Haushalt 2027 in Paraguay: Ausgaben steigen um 11,2 %, aber keine Lohnerhöhung für streikende Ärzte

Der Entwurf des Staatshaushalts 2027 sieht eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben um 11,2 % vor und setzt die Obergrenze für das Haushaltsdefizit auf 3,9 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Eine Lohnerhöhung für die Ärzte ist jedoch nicht vorgesehen. Der Vorschlag wurde am 1. September vom Minister für Wirtschaft und Finanzen, Óscar Lovera, dem Kongress vorgelegt, während das öffentliche Gesundheitssystem mit einem landesweiten Streik und kollektiven Kündigungen von Fachärzten konfrontiert war.

Der Plan umfasst Gesamtausgaben von 166,322 Billionen Guaraníes. Davon entfallen 87,9 Billionen auf die Zentralverwaltung und 78,4 Billionen auf dezentrale Einrichtungen. Die Exekutive würde 76 % der gesamten Erhöhung tragen. Die Regierung begründet die Anhebung des Defizits – das über der in der Haushaltsverantwortungsgesetz festgelegten Obergrenze von 1,5 % liegt – mit der Begleichung von Schulden bei Medikamentenlieferanten, Straßenbauprojekten und anderen Dienstleistungen.

Für das Gesundheitswesen sind im Entwurf 18,2 Billionen Guaraníes vorgesehen. Zudem sind rund 760 Millionen US-Dollar für Medikamente und medizinisches Material eingeplant, etwa 260 Millionen US-Dollar mehr als 2026, sowie 195 Millionen US-Dollar für das Nationale Krebsinstitut (Incan). Der Plan umfasst die Zahlung von Feiertagszuschlägen und die funktionale Regularisierung von 2.390 Fachkräften, sieht jedoch keine Erhöhung des Grundgehalts vor, wie sie die Ärzte fordern.

Lovera erklärte, eine allgemeine Lohnerhöhung würde zwischen 130 und 150 Millionen US-Dollar kosten und sei unter den aktuellen Bedingungen nicht machbar. Der Minister sprach sich stattdessen für Verhandlungen aus, die an Karrierewege und Professionalisierung geknüpft sein sollten, anstatt eine pauschale Anpassung vorzunehmen. Der Entwurf sieht zudem die Aufnahme von Schulden in Höhe von etwa 2,1 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte und die Begleichung von Verbindlichkeiten vor, die die Regierung auf rund 1,27 Milliarden US-Dollar schätzt.

Die Nationale Ärztegewerkschaft (Sinamed) beendete nach fünf Tagen ihren Streik, reichte jedoch kollektive Kündigungen von Fachärzten in Krankenhäusern wie dem Unfallkrankenhaus, der Kinderklinik Niños de Acosta Ñu, dem Nationalkrankenhaus Itauguá und dem Incan ein. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung nach 14 Jahren ohne Anpassung, eine Reduzierung der Arbeitsbelastung und bessere Arbeitsbedingungen. Die Regierung steht auch unter politischem Druck: Der Präsidentschaftsbewerber Arnoldo Wiens forderte den Rücktritt von Gesundheitsministerin María Teresa Barán, während der Abgeordnete Rubén Rubín den Haushalt als „Wendepunkt“ bezeichnete und das Wachstum der öffentlichen Ausgaben kritisierte.

Die Krise zeigt sich auch im Krankenhausalltag. In Ciudad del Este wurden fünf Säuglinge aus der Neonatologie des Regionalkrankenhauses in die Station 3 der Allgemeinchirurgie verlegt, nachdem ein Flohbefall festgestellt worden war. Die Abteilung blieb gesperrt, nachdem bei der Schädlingsbekämpfung und Desinfektion erneut Insekten entdeckt wurden. Mitarbeiter berichteten zudem von Problemen mit der Abwasserleitung, Undichtigkeiten, tropfenden Decken und dem Fehlen eines festen Reinigungsteams in kritischen Bereichen. Der Krankenhausdirektor Cristian Martínez reagierte nicht auf die in der Berichterstattung dokumentierten Kontaktversuche.

Der Haushalt wird nun an die Bikamerale Haushaltskommission weitergeleitet und anschließend in beiden Kammern des Kongresses beraten. Für die Patienten wird sich der Konflikt konkret auswirken: Der Entwurf verspricht mehr Mittel für Medikamente und Krankenhausschulden, lässt jedoch die Bindung von Fachärzten ungelöst – genau jene Personalressource, die für hochkomplexe medizinische Leistungen entscheidend ist.

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Quellen (12)

Aktualisiert: 02.09.2026, 01:00