Hugo Javier González befindet sich weiterhin in kritischem Zustand, intubiert und künstlich beatmet im Nationalkrankenhaus von Itauguá. Er wurde am Sonntagabend, dem 6. September, bewusstlos im Waschraum seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt „Industrial Esperanza“ in Asunción aufgefunden.
Der Vorfall wurde um 23:12 Uhr gemeldet, wie aus dem vorläufigen Bericht des Justizministeriums hervorgeht. Die Angaben zum genauen Ablauf variieren: Die Regierung erklärte zunächst, González sei aus eigener Körperhöhe gestürzt, während andere Quellen berichteten, er sei bewusstlos oder liegend im Sanitärbereich entdeckt worden. Sein Zellengenosse Juan Antonio Arguello soll die Wärter alarmiert haben, doch die Schilderungen zum genauen Zeitpunkt und zur Reihenfolge der medizinischen Versorgung sind widersprüchlich.
González wurde zunächst in der Gefängnisklinik behandelt, wo auch ein möglicher Schlaganfall abgeklärt wurde. Anschließend wurde er ins Traumazentrum und ins Allgemeinkrankenhaus von Barrio Obrero verlegt, bevor er schließlich ins Nationalkrankenhaus von Itauguá gebracht wurde. Das Justizministerium erklärte, der Schlaganfall sei in Itauguá ausgeschlossen worden; auch die Verteidigung gab an, dass medizinische Berichte in diese Richtung wiesen. Die Untersuchungen ergaben ein Schädel-Hirn-Trauma, Hämatome, Schürfwunden und einen Bruch der linken Augenhöhle.
Der ehemalige Gouverneur wurde notoperiert und liegt weiterhin auf der Intensivstation. Die Ärzte erklärten, dass die kommenden 48 bis 72 Stunden entscheidend für die neurologische Entwicklung sein werden. Noch ist unklar, ob ein neurologisches Ereignis den Sturz auslöste oder ob das Trauma die beobachteten Veränderungen verursachte.
Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, um zu klären, ob es sich um einen Unfall oder eine Gewalttat handelte. Staatsanwalt Luis Chamorro führte Ermittlungen in der Haftanstalt durch, nahm die Aussage des Zellengenossen auf und lud die in jener Nacht diensthabenden Wärter vor, wie aus Medienberichten hervorgeht. Das Ermittlungsteam sammelte außerdem Kameraaufzeichnungen. Die Kameras erfassen zwar Flure und Zugänge, nicht jedoch das Innere der Zellen oder Waschräume – daher gibt es keine Aufnahmen des genauen Vorfalls. Justizminister Rodrigo Nicora erklärte, die interne Ermittlungsabteilung führe parallel eigene Untersuchungen durch und betonte: „Hier wird niemand geschützt“, falls Unregelmäßigkeiten festgestellt werden.
Anwalt Bernardo Villalba kritisierte die Verzögerung bei der medizinischen Versorgung und gab an, erst durch die Medien von dem Notfall erfahren zu haben. Er geht davon aus, dass die Verletzungen durch äußere Gewalteinwirkung entstanden seien, räumte jedoch ein, dass noch geklärt werden müsse, ob es sich um einen Unfall oder eine Attacke handelte. Der Abgeordnete und Arzt Guillermo Rodríguez äußerte ähnliche Vorwürfe und forderte ein unabhängiges forensisches Gutachten, legte jedoch keine stichhaltigen Beweise vor. Ein nicht namentlich genannter Angehöriger äußerte die Befürchtung, González könne wegen „Verfolgung“ aus finanziellen Motiven in Lebensgefahr schweben – diese Behauptung wurde nicht bestätigt.
Am selben Tag fand eine Razzia mit rund 300 Polizisten im „Nationalen Zentrum für Untersuchungshäftlinge“ (ehemals Gefängnis Tacumbú) statt. Der Polizeidirektor von Asunción, Francisco Ávalos, erklärte, die Durchsuchung sei bereits in der Vorwoche geplant gewesen und stehe in keinem Zusammenhang mit dem Fall. Die Anstalt „Esperanza“ liegt zwar auf demselben Gelände, war jedoch nicht Teil der Aktion.
González verbüßt eine zehnjährige Haftstrafe im sogenannten „Phantomprojekte“-Fall, der sich auf nicht umgesetzte Vorhaben während der COVID-19-Pandemie bezieht. Laut Villalba hat die Verteidigung eine Verfassungsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof eingereicht, nachdem die Strafkammer einen Kassationsantrag abgelehnt hatte – dies entspricht der Darstellung des Anwalts und bedeutet keine Überprüfung des Urteils. Zudem steht González in einem weiteren Verfahren vor Gericht, dessen Prozess am 3. Februar 2027 beginnen soll. Dabei geht es um einen mutmaßlichen Schaden von über 18,3 Milliarden Guaraní.
