Paraguay hat ein Projekt für den Bau eines Düngemittelwerks in Carmelo Peralta im Departamento Alto Paraguay vorgestellt. In einer ersten Phase soll das Werk mit argentinischem Erdgas betrieben werden, später mit Gas aus dem eigenen Chaco. Die Pläne wurden bei einem Workshop zur gaswirtschaftlichen Integration in Montevideo vorgestellt, der von der Lateinamerikanischen und Karibischen Energieorganisation (OLACDE) organisiert wurde.
Die paraguayische Delegation wurde von Julio Albertini, Direktor für Kohlenwasserstoffe, und dem technischen Berater Giuliano Franco geleitet. Beide vertreten das Vizeministerium für Bergbau und Energie (VMME), das dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und Kommunikation (MOPC) untersteht.
Das Projekt sieht vor, zunächst Erdgas aus dem Neuquén-Becken – wo sich das Vaca-Muerta-Feld befindet – zu nutzen. Später könnte das Werk mit Gas aus dem paraguayischen Chaco betrieben werden. Ziel ist die Produktion von Stickstoffdüngern für den Markt im südlichen Lateinamerika, insbesondere für die brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul.
Carmelo Peralta wurde als Standort gewählt, weil es an der Schnittstelle zwischen der Biozeanischen Route und der Paraná-Paraguay-Wasserstraße liegt. Diese Verbindung soll den Transport von Erdgas, Rohstoffen und Düngemitteln nach Paraguay, Brasilien und andere Märkte erleichtern. Allerdings hängt die Umsetzung noch von weiteren Studien, Investitionen und Infrastrukturmaßnahmen ab.
Laut einer beim Workshop vorgestellten Analyse importiert die Region 92 Prozent ihres Stickstoffdüngerbedarfs, bei einem Marktvolumen von jährlich 6,5 Milliarden US-Dollar. Allein die Urea-Importe übersteigen 4 Milliarden US-Dollar. Eine vom Entwicklungsbank für Lateinamerika und die Karibik (CAF) mitgetragene Studie zeigt, dass das Gas aus Vaca Muerta die regionalen Urea-Importe vollständig ersetzen könnte. Dafür wären jedoch Investitionen in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar und eine tägliche Gasmehrmenge von 12 Millionen Kubikmetern erforderlich.
Das Projekt wird als Teil einer energiepolitischen Integrationsstrategie des Mercosur und Chiles präsentiert, die die Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Importen verringern soll. Für Paraguay bietet das Werk zudem die Chance, den Chaco zu industrialisieren, energieintensive Unternehmen anzuziehen und Carmelo Peralta zu einem logistischen Knotenpunkt zwischen Straßen- und Schifffahrtskorridoren auszubauen.
