Paraguay startet nationale Finanzinklusionsstrategie gegen Überschuldung

Paraguay hat eine nationale Strategie für Finanzinklusion bis 2031 vorgestellt, die auf verantwortungsvolle Nutzung von Finanzdienstleistungen und die Bekämpfung von Überschuldung abzielt. Hintergrund ist das rasante Wachstum des Konsumentenkredits im Land.

Paraguay startet nationale Finanzinklusionsstrategie gegen Überschuldung

Die paraguayische Regierung hat am Mittwoch offiziell die Nationale Strategie für Finanzinklusion (ENIF) 2026-2031 vorgestellt. Das staatliche Programm aktualisiert die seit 2013 bestehende Politik und zielt darauf ab, den bloßen Zugang zu Bankdienstleistungen hin zu einer verantwortungsvollen und sicheren Nutzung weiterzuentwickeln.

Die Präsentation fand im Konferenzsaal der Zentralbank von Paraguay (BCP) statt und wurde vom Präsidenten Santiago Peña, Wirtschafts- und Finanzminister Carlos Fernández Valdovinos sowie Vertretern der BCP und des Nationalen Instituts für Genossenschaftswesen (Incoop) begleitet. Die Strategie wurde vom Nationalen Ausschuss für Finanzinklusion (CNIF) unter Führung des Wirtschafts- und Finanzministeriums (MEF) erarbeitet, an dem über 160 Vertreter von rund 40 öffentlichen und privaten Institutionen beteiligt waren.

Die Initiative entsteht vor dem Hintergrund eines rasanten Anstiegs der Konsumentenkredite im Land, eine Entwicklung, auf die bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) hingewiesen hatte. Die Behörden betonten, dass der Zugang zu Bankdienstleistungen zwar von 20 % der Bevölkerung im Jahr 2012 auf fast 62 % gestiegen sei, gleichzeitig aber die Überschuldung von Haushalten sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bekämpft werden müsse.

Die Strategie umfasst vier Hauptziele: den Zugang zu und die effektive Nutzung formaler Finanzprodukte auszuweiten; die finanzielle Bildung für verantwortungsvolle Entscheidungen zu fördern; den regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmen zum Schutz der Nutzer zu stärken; sowie die physische und digitale Infrastruktur auszubauen, um territoriale und digitale Hürden abzubauen.

Zur Umsetzung dieser Ziele sieht die ENIF 39 konkrete Maßnahmen vor und priorisiert dabei Gruppen wie Menschen in Armut (16 % der Bevölkerung), ländliche Gemeinden, Selbstständige und KMU – die 75 % der Arbeitsplätze im Land stellen, von denen jedoch nur 56 % Zugang zu formeller Finanzierung haben. Ebenfalls im Fokus stehen ältere Menschen sowie der Bildungssektor, der über 1,5 Millionen Schüler und 85.000 Lehrkräfte umfasst.

In seiner Rede betonte Präsident Santiago Peña die Notwendigkeit einer abgestimmten Zusammenarbeit aller Sektoren, damit die Strategie wirksam umgesetzt werden kann. „Diese Strategie muss von allen getragen werden, und je mehr sich beteiligen, desto wirksamer wird sie sein“, erklärte er.

Die Umsetzung des Plans wird durch ein Monitoring- und Evaluierungssystem begleitet, das regelmäßig Fortschritte und Ergebnisse überprüft. Ziel ist es, ein inklusives Finanzsystem als Instrument für soziale und wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Land zu etablieren.

Teilen WhatsApp Facebook LinkedIn

Quellen (2)

Aktualisiert: 20.08.2026, 08:06