Das Abgeordnetenhaus Paraguays hat grundsätzlich einen Gesetzentwurf gebilligt, der deutlich höhere Haftstrafen für korrupte Amtsträger vorsieht. Die von Abgeordneten Daniel Centurión eingebrachte Initiative erhielt nach über zwei Jahren Diskussion und drei gescheiterten Vorstößen im Kongress 53 Ja-Stimmen.
Der Entwurf sieht Höchststrafen von bis zu 25 Jahren Haft vor, abhängig von der Schwere der Tat. Derzeit gelten in Paraguay Mindeststrafen von einem Jahr für Korruptionsdelikte, die durch Geldstrafen ersetzt werden können, sowie Höchststrafen von bis zu zehn Jahren Haft.
Die Detailberatung des Entwurfs wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt. Centurión bezeichnete die Grundsatzzustimmung als „wichtigen Schritt“, warnte jedoch, dass die nächste Phase „ein weiterer Kampf“ sein werde, um das Vorhaben in geltendes Recht umzusetzen.
Im Verlauf der Debatte argumentierte der Abgeordnete, die Verschärfung der Strafen sei angesichts der Auswirkungen von Korruption auf das Land notwendig. Er verwies auf Schätzungen, wonach Korruption Paraguay jährlich rund 1,6 Milliarden US-Dollar koste – etwa vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und mehr als die Ausgaben für Bildung.
Die Behandlung des Entwurfs war von pathetischen Reden der Colorados-Abgeordneten zum Kampf gegen Korruption geprägt. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Initiative in der Praxis möglicherweise „jahrelang auf Eis“ liegen werde. Abgeordneter Raúl Benítez warf der Politik vor, der Kampf gegen Korruption bleibe lediglich „große Worte“.
In derselben Sitzung blockierten Abgeordnete der Cartes-Bewegung – angeführt vom Ex-Präsidenten Horacio Cartes – mehrere Anfragen zu Bürgermeistern der Colorados, die beschuldigt werden, Gehälter von Mitarbeitern nicht gezahlt zu haben. Beobachter sehen darin einen Widerspruch zwischen der Rhetorik und der tatsächlichen Praxis im Kampf gegen Korruption.
