Paraguays BIP wächst im zweiten Quartal um 4 Prozent – getragen vom Ausland, nahe am Potenzial

Paraguays Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um 4 Prozent. Die Nettoauslandsnachfrage steuerte 6,7 Prozentpunkte bei, während die Binnennachfrage zurückging. Der Wirtschaftswissenschaftler Rodrigo Ibarrola schätzt, dass das Wachstum nahe am Potenzial bleibt und keinen Anlass zur Sorge gibt.

Paraguays BIP wächst im zweiten Quartal um 4 Prozent – getragen vom Ausland, nahe am Potenzial

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Paraguays wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4 Prozent und verlangsamte sich damit gegenüber den 7,3 Prozent im ersten Quartal. Von Januar bis Juni betrug das Wachstum 5,7 Prozent. Die Zentralbank Paraguays (BCP), die für die vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zuständig ist, korrigierte das Wachstum im ersten Quartal nach oben: von 5,8 auf 7,3 Prozent.

Die Landwirtschaft legte von April bis Juni um 11,1 Prozent zu. Ausschlaggebend waren die Erzeugung von Soja, Reis, Bohnen, Sonnenblumen und Tabak; im ersten Halbjahr wuchs der Sektor um 12,3 Prozent. Strom- und Wasserversorgung beschleunigten sich von 4,7 auf 13 Prozent. Dazu trugen der höhere Verbrauch energieintensiver Branchen und die positive Entwicklung der Stromerzeugung in den binationalen Kraftwerken bei. Das Baugewerbe wuchs, vor allem dank privater Bauvorhaben, um 4,2 Prozent.

Dagegen verlangsamte sich das verarbeitende Gewerbe von 6 Prozent im ersten Quartal auf 1,8 Prozent im zweiten, obwohl es im ersten Halbjahr insgesamt um 4 Prozent zulegte. Der Dienstleistungssektor, auf den fast die Hälfte der Wirtschaft entfällt, wuchs um 3,4 Prozent nach 7,9 Prozent im Vorquartal. Zuwächse gab es bei Finanz- und Regierungsdienstleistungen, Telekommunikation, Restaurants, Hotels sowie Dienstleistungen für Unternehmen und private Haushalte; der Transport ging zurück. Die Viehwirtschaft schrumpfte zusammen mit Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau im Quartal um 4,1 Prozent und im ersten Halbjahr um 0,9 Prozent. Der Wiederaufbau der Rinderbestände verringerte die Rinderschlachtungen. Zugleich stiegen die Schlachtungen von Schweinen und Geflügel sowie die Erzeugung von Milch und Eiern.

Nach der Verwendungsrechnung leistete die Binnennachfrage angesichts eines Quartalsrückgangs von 2,6 Prozent einen negativen Beitrag von 2,7 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum. Die Bruttoinvestitionen gingen um 18,2 Prozent zurück, die Bruttoanlageinvestitionen um 11,8 Prozent. Weniger investiert wurde in Maschinen, Ausrüstung und Fahrzeuge, insbesondere in Ausrüstung für das Krypto-Mining und in Flugzeuge. Der Rückgang der Anlageinvestitionen wurde durch höhere Ausgaben für Bauvorhaben sowie für land-, forst- und industriell genutzte Maschinen gedämpft. Der private Konsum wuchs um 3,2 Prozent, der Staatskonsum um 6,2 Prozent; zusammen steuerten die Konsumausgaben 2,7 Prozentpunkte bei.

Der Außenhandel glich die Schwäche der Binnennachfrage teilweise aus: Die Nettoauslandsnachfrage trug 6,7 Prozentpunkte positiv zum BIP bei. Im Quartal stiegen die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen um 11,5 Prozent, während die Einfuhren um 5,7 Prozent zurückgingen. Im ersten Halbjahr legten die Ausfuhren um 8,2 Prozent zu, die Einfuhren sanken um 1,4 Prozent.

Der Wirtschaftswissenschaftler Manuel Ferreira, ehemaliger Finanzminister, hob die Verlangsamung der Dienstleistungen als wichtigen Faktor hervor und brachte die Entwicklung des Handels mit den relativ höheren Preisen in Paraguay gegenüber Brasilien und Argentinien sowie dem Verlust an Kaufkraft in Verbindung. Rodrigo Ibarrola vom Zentrum für Analyse und Verbreitung der paraguayischen Wirtschaft (Cadep) schätzte, dass die Wirtschaft auf ein Wachstum nahe ihrem Potenzial von 3,5 bis 4 Prozent zusteuert. Er sehe keinen Anlass zur Sorge: Andere Sektoren hätten die Rückgänge ausgeglichen, und das zugrunde liegende Wachstum liege selbst ohne volatile Bereiche wie die binationalen Kraftwerke und die Landwirtschaft bei über 5 Prozent. Die BCP prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 4,5 Prozent, was eine Abschwächung im zweiten Halbjahr bedeutet.

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Quellen (5)

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