Der Streit zwischen ANDE, Paraguays staatlichem Stromversorger, und dem britischen Unternehmen Atome hat ein Industrieprojekt für grüne Düngemittel auf Eis gelegt und Fragen zur Stromnutzungspolitik des Landes aufgeworfen. Der Energieexperte Victorio Oxilia Dávalos sagt, der Fall betreffe sowohl Investitionszusagen als auch weiterhin ungelöste Vertragsverhandlungen.
Atome wollte rund 700 Millionen US-Dollar für das Vorhaben aufbringen. Das Unternehmen habe den Staat drei Monate vor einem möglichen internationalen Schiedsverfahren förmlich darüber informiert, sagte Oxilia. Der Experte bringt das Risiko mit dem seit den 1990er-Jahren geltenden bilateralen Investitionsschutzabkommen zwischen Paraguay und dem Vereinigten Königreich in Verbindung, das ausländische Investoren schützt.
Daneben gibt es einen Streit über die Vertragsbedingungen: Ein 2022 unterzeichneter Vorvertrag sicherte dem Unternehmen eine Leistung von 60 bis 120 Megawatt zu. Um das Projekt fortzuführen, benötigt Atome einen Nachtrag oder einen neuen Vertrag, der zehn Jahre lang verlässliche Tarifbedingungen gewährleistet. Die fehlende Einigung habe zum Stillstand und zu Verzögerungen beigetragen, sagte Oxilia.
Das Projekt umfasst fünf Industrieanlagen und könnte zwischen 500 und 1.000 qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, so die Einschätzung des Experten. Dabei handelt es sich um eine Schätzung des möglichen Potenzials des Vorhabens, nicht um bereits geschaffene Stellen. Oxilia zufolge sollte die Debatte über den Tarif auch die wirtschaftliche Aktivität und die Beschäftigung berücksichtigen, die durch den Stromverbrauch ermöglicht werden könnten.
Der Experte stellte die Verhandlungen mit Atome der Kontrolle des unregulierten Kryptowährungs-Minings gegenüber. Er behauptete, illegale Betriebe, auch in Wohnhäusern, verbrauchten 25 bis 30 Prozent der im Land verfügbaren Energie und brächten weder gesellschaftlichen Nutzen noch Arbeitsplätze. Die Redaktion legte keine unabhängigen Daten vor, die diesen Anteil bestätigen; er ist daher als Aussage Oxilias zu verstehen, nicht als überprüfte amtliche Statistik.
Oxilia kritisierte, was er als eine auf Einnahmen ausgerichtete Verwaltung von ANDE betrachtet, statt die Energie zur Förderung der Industrie einzusetzen. Der Vergleich macht zwei unterschiedliche Herausforderungen sichtbar: stabile Bedingungen für eine Großinvestition festzulegen und Verluste oder unregulierten Verbrauch im Stromsystem zu bekämpfen. Wie die Verhandlungen mit Atome ausgehen und wie die Behörden auf das illegale Mining reagieren, steht noch nicht fest.
