Die Araico Corporation schlägt vor, der ANDE 45 US-Dollar je Megawattstunde für die Stromversorgung des geplanten KI-Zentrums Iguazú AI City in Yguazú im Departamento Alto Paraná zu zahlen. Der Betrag läge nach Angaben von Alejandro Zuccolillo, einem paraguayischen Investor und leitenden Vertreter des Unternehmens, 50 Prozent über dem paraguayischen Industriestromtarif und deutlich über dem Preis, den Brasilien Paraguay für Itaipú-Strom zahlt. Die Verhandlungen warten noch auf die Unterzeichnung des Vertrags.
Zuccolillo sagte, der Tarif solle jährlich um 2,5 Prozent oder um die US-Inflationsrate steigen, falls diese höher ausfalle. Nach Einschätzung des Managers könnte der Preis mit der Zeit 70 US-Dollar je MWh übersteigen. Die ANDE, Paraguays staatlicher Stromversorger, erklärt, dass es noch keine eigene Tarifkategorie für KI-Rechenzentren gibt.
Der Tarif von 45 US-Dollar läge über den 35 US-Dollar je MWh des Industrietarifs und den 44 US-Dollar, die für das Kryptowährungs-Mining berechnet werden. Araico erklärt, keinen dieser Tarife übernehmen zu wollen: Der Tarif für das Mining läuft im Dezember 2027 aus und sieht keine Anpassungen vor, während der Industrietarif dem Unternehmen nicht die für das Projekt erforderliche Planungssicherheit bieten würde. Zuccolillo vertritt die Auffassung, eine ANDE-Resolution könne die Bedingungen ohne Präsidialdekret formalisieren. Das ist die Interpretation des Unternehmens; der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet.
Der Manager drängte auf eine rasche Verhandlung. Seiner Einschätzung nach hat Paraguay nur ein kurzes Zeitfenster: KI-Rechenzentren könnten sich in den kommenden Wochen in Brasilien ansiedeln, wie es in der Region bereits bei Cloud-Rechenzentren geschehen sei. Zuccolillo warnte, das Land könne weiterhin Strom an Brasilien abgeben und anschließend Rechenkapazität zurückkaufen. Seine Aussage gibt die Einschätzung des Managers zum Risiko wieder, Investitionen und damit verbundene Aktivitäten wie die Herstellung elektrischer Bauteile, Computer, Halbleiter, Kabel und Generatoren zu verlieren.
Das Projekt sieht drei Bauabschnitte und einen Gesamtbedarf von rund 280 Megawatt vor. Für den ersten Abschnitt mit 6 MW ist die Lieferung für Dezember 2026 vorgesehen – daraus geht nicht hervor, dass der Betrieb zu diesem Zeitpunkt beginnt. Der zweite Abschnitt mit rund 130 MW ist für das zweite Quartal 2028 geplant; der dritte soll eine ähnliche Kapazität haben und 2029 umgesetzt werden. Zuccolillo bezifferte die Investition in jeden der beiden größeren Abschnitte auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Sie sind Teil eines angekündigten Gesamtplans über 12 Milliarden US-Dollar.
Nach Angaben des Unternehmens soll der Anschluss direkt an das an Itaipú angebundene Hauptumspannwerk erfolgen, sodass keine zusätzlichen Investitionen in die Übertragung nötig seien. Zuccolillo verglich die geplanten 280 MW mit den 1.300 MW, die die ANDE seiner Aussage zufolge derzeit für das Kryptowährungs-Mining bereitstellt. Diese Versorgung soll am 31. Dezember 2027 eingestellt werden. Umfang und Zeitplan des KI-Zentrums hängen daher sowohl von der Festlegung des Tarifs als auch von der Formalisierung der Stromversorgung ab.
Zu den von Zuccolillo genannten Investoren gehören paraguayisches, lateinamerikanisches und nordamerikanisches Kapital. Er bezeichnete den US-Fonds Founders Fund als Ankerinvestor und erwähnte Gruppen mit Verbindungen zu Mercado Libre und Nubank, ohne Beteiligungen offenzulegen.
