Das geschätzte Erdgaspotenzial im Carandayty-Becken im Departamento Boquerón beläuft sich auf bis zu 70 TCF (Billionen Kubikfuß), wurde bislang jedoch weder in eine nachgewiesene Reserve überführt noch kommerziell gefördert. Die Einschätzung präsentierte Giuliano Franco, CEO von Zeus Energy, bei der Veranstaltung „Elektrische Energie für die Fortsetzung der Entwicklung in Paraguay“.
Franco erklärte, das Unternehmen habe in zehn Jahren der Prospektion etwas mehr als 70 Millionen US-Dollar investiert. Seiner Einschätzung zufolge weisen die Explorationsergebnisse auf ein gasbildendes Potenzial im Untergrund des paraguayischen Chaco hin, sowohl bei konventionellen als auch bei unkonventionellen Ressourcen. Der vom Manager vorgestellte regionale Vergleich setzt das geschätzte Volumen mit den nachgewiesenen Reserven Perus, dem Siebenfachen der gesamten historischen Produktion Boliviens und etwa 10 Prozent der Argentinien zugerechneten Entdeckungen gleich, die auf 800 TCF geschätzt werden.
Der Unterschied zwischen Ressource und Reserve ist entscheidend: Paraguay muss noch die förderbare Menge, die technische Machbarkeit und die Vermarktung des Gases nachweisen. Ohne diese Zertifizierung bleiben die 70 TCF eine Potenzialschätzung und keine Garantie für ein künftiges Angebot.
Eine der befürworteten Anwendungen ist die grundlastfähige thermische Stromerzeugung, die kontinuierlich Elektrizität liefern und das Netz in der westlichen Region stärken könnte. Dort gilt die Infrastruktur der Nationalen Elektrizitätsverwaltung (ANDE), des staatlichen Betreibers des paraguayischen Stromsystems, als anfällig. Der Präsentation zufolge könnte 1 TCF ein Gas-und-Dampfkraftwerk mit 1.000 Megawatt 20 Jahre lang versorgen oder eine Anlage mit 2.000 Megawatt ein Jahrzehnt lang.
Um vor der lokalen Produktion einen Markt zu schaffen und die Infrastruktur besser zu begründen, soll die Versorgung zunächst mit argentinischem Gas über eine bi-ozeanische Gaspipeline beginnen. Franco erklärte, das erste Wärmekraftwerk werde wahrscheinlich Gas aus Argentinien verwenden; die Verbindung würde es später paraguayischen Produzenten ermöglichen, ihre Bohrungen anzuschließen und das Gas aus dem Chaco zu vermarkten.
Die prognostizierten Kosten der Stromerzeugung mit argentinischem Gas im Chaco liegen bei etwa 80 US-Dollar pro Megawattstunde. Damit übersteigen sie die Kosten der Wasserkraft aus Itaipú und Yacyretá, doch die thermische Erzeugung könnte für lokale Stabilität und eine Diversifizierung des Energiemixes sorgen. Der Brennstoff macht in einem Gas-und-Dampfkraftwerk etwa 60 Prozent der endgültigen Kosten einer Megawattstunde aus.
Auch beim Zeitplan gibt es Einschränkungen. Ausrüstung, deren Lieferung früher für Motoren etwa zwei Jahre und für Turbinen drei Jahre dauerte, benötigt nun mindestens drei beziehungsweise vier Jahre. Hinzu kommen laut der vorgestellten Darstellung ein bis zwei Jahre für die Inbetriebnahme.
Die weitere Prospektion ist zudem von einem Umweltstreit betroffen. Der Abgeordnete José Rodríguez von der Regierungspartei legte einen Vorschlag vor, das Primo Cano erteilte Recht zur Erschließung der einzigen Erdgasbohrung des Landes mit natürlichem Gasfluss wiederherzustellen. Die Tätigkeit wurde nach der Erweiterung des Nationalparks Médanos del Chaco ausgesetzt; Nichtregierungsorganisationen lehnen die Initiative ab.
