Latorre erklärt: Rivas trat als Anwalt auf; Experte skizziert mögliche JEM-Überprüfungen nach rechtskräftiger Verurteilung

Raúl Latorre erklärte, Hernán Rivas habe sich als Anwalt vorgestellt, um die Abgeordnetenkammer im JEM zu vertreten. Hugo Estigarribia zufolge könnte eine rechtskräftige Verurteilung eine Prüfung von Entscheidungen auslösen, falls Rivas’ Stimme ausschlaggebend war.

Latorre erklärt: Rivas trat als Anwalt auf; Experte skizziert mögliche JEM-Überprüfungen nach rechtskräftiger Verurteilung

Der Präsident der paraguayischen Abgeordnetenkammer, Raúl Latorre, erklärte während der mündlichen Verhandlung gegen Hernán Rivas, der ehemalige Abgeordnete habe sich als Anwalt vorgestellt, als er die Kammer im Jurado de Enjuiciamiento de Magistrados (JEM) vertreten wollte.

„Er stellte sich als Anwalt vor“, sagte Latorre vor dem Gericht. Laut dem Abgeordneten gab es damals keinen Mechanismus, mit dem vorab überprüft werden konnte, ob die Parlamentarier tatsächlich über einen entsprechenden juristischen Abschluss verfügten. Rivas’ Kandidatur wurde von seiner Fraktion unterstützt und vom Plenum mit Stimmen der Regierungsmehrheit und der Opposition angenommen.

Rivas steht wegen des Verdachts der Herstellung und Verwendung öffentlicher Dokumente mit falschem Inhalt vor Gericht, darunter wegen der mutmaßlichen Verwendung eines gefälschten Anwaltstitels und weiterer Unterlagen zu seiner beruflichen Qualifikation. Die Anklage wird noch verhandelt.

Der Verfassungsrechtler Hugo Estigarribia erklärte, dass nach einer rechtskräftigen Verurteilung — also nach Abschluss der anwendbaren Rechtsmittel — mögliche Folgen für Entscheidungen des JEM geprüft werden müssten, an denen Rivas beteiligt war und dessen Vorsitz er zeitweise führte. Dies hinge vom jeweiligen Fall ab, insbesondere davon, ob seine Stimme für die Amtsenthebung oder den Freispruch eines Richters, Staatsanwalts oder Verteidigers ausschlaggebend war.

Die mögliche Überprüfung von Entscheidungen wäre nach Estigarribias bedingter rechtlicher Einschätzung auf Rivas’ mutmaßliche institutionelle Rolle im JEM zurückzuführen und nicht allein auf das gegen ihn geführte Verfahren. Er nannte mögliche Anträge auf Aufhebung oder Überprüfung von Amtsenthebungen und gegebenenfalls Freisprüchen sowie Klagen gegen Institutionen, die Rivas ernannten, gegen Vertreter der Abgeordnetenkammer und des Senats, die ihn unterstützt haben sollen oder angeblich getäuscht wurden, und gegen weitere Beteiligte. Außerdem erwähnte er mögliche Schadenersatzklagen und Strafverfahren, deren rechtliche Einordnung noch zu bestimmen wäre, etwa wegen Urkundenfälschung oder Amtsanmaßung.

Betroffene Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Beschwerdeführer könnten sich laut Estigarribia an die Interamerikanische Menschenrechtskommission und anschließend an den Interamerikanischen Gerichtshof wenden, falls sie alle Rechtsmittel in Paraguay ausgeschöpft hätten. Dabei handele es sich um bedingte Möglichkeiten, nicht um automatische oder bereits feststehende Folgen.

Der Anwalt erklärte, dass sich das Verfahren noch in erster Instanz befinde. Die Entscheidung könne von den Parteien vor der Berufungskammer angefochten werden; bei voneinander abweichenden Entscheidungen der ersten und zweiten Instanz sei unter den von ihm beschriebenen Bedingungen ein mögliches Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof denkbar.

Estigarribia bezeichnete den Vorfall als schweren institutionellen Missstand, der die Rechtssicherheit und das internationale Ansehen Paraguays beeinträchtige. Er kritisierte zudem das Verwaltungshandeln der Institutionen, die die Gültigkeit der Unterlagen hätten prüfen können, darunter das Bildungs- und Wissenschaftsministerium sowie die Nationale Agentur für Evaluation und Akkreditierung der Hochschulbildung (ANEAES).

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Quellen (2)

Aktualisiert: 07.09.2026, 08:08