Acht Monate lang haben Patienten mit seltenen und chronischen Erkrankungen in Paraguay auf lebenswichtige Medikamente verzichten müssen. Die Federación Paraguaya de Pacientes con Enfermedades Raras (Fepper), die rund 20 Vereine vertritt, bezeichnet die Lage als unhaltbar. Vanesa Florentín, Präsidentin des Verbandes, erklärte, dass sich die Krise seit November des vergangenen Jahres verschärft habe und der Medikamentenmangel in vielen Fällen einem Todesurteil gleichkomme.
Laut Florentín liegt das zentrale Problem im Fehlen der Certificados de Disponibilidad Presupuestaria (CDP). Sie berichtet, dass die Fepper zwar Gesprächsrunden mit dem Ministerio de Salud Pública y Bienestar Social (MSPBS) und dem Instituto de Previsión Social (IPS) pflegt, die Behörden jedoch darauf hinwiesen, dass die letzte Verantwortung für den Haushalt beim Ministerio de Economía y Finanzas (MEF) liege. Minister Óscar Lovera habe die Patienten weder empfangen noch auf Kontaktaufnahmen per Telefon oder E-Mail reagiert.
Die Präsidentin der Fepper forderte zudem eine Reaktion von Präsident Santiago Peña, der ihren Angaben zufolge ihre Anfragen ignoriert habe. „Hinter jedem Vereinsvorsitzenden stehen ganze Familien, die warten. Er muss dem Volk Antworten geben. Es kann nicht sein, dass es kein Geld für Medikamente gibt, aber für andere überflüssige Staatsausgaben schon", kritisierte Florentín.
Die Schwere des Szenarios wird durch die hohen Behandlungskosten verstärkt: Die Medikamente kosten zwischen rund 750.000 Guaraní und über 20.000 US-Dollar monatlich. Florentín erklärte, dass die laufenden Ausschreibungen unzureichend seien und nur einen Bruchteil der Nachfrage decken könnten. Ihrer zufolge wurden Vorräte für 70 Personen beschafft, während die Zahl der betroffenen Patienten bei über 350 liege, was zu einem ständigen Kampf um die wenigen verfügbaren Einheiten führe.
Angesichts der fehlenden Reaktion der Exekutive hat die Fepper für Mittwoch, den 24. Juni, um 11 Uhr eine Pressekonferenz ins Restaurant El Granel einberufen, wo die Vertreter der 20 Vereine die Situation darlegen und die Sicherstellung der Medikamentenversorgung für die kommenden Monate fordern wollen.
