Paraguayische Kinder fordern ihre Rechte angesichts von Armut und Gewalt ein

Kinder und Jugendliche in Paraguay haben sieben zentrale Forderungen nach Rechten wie würdige Arbeit und psychische Gesundheit erhoben. Offizielle Daten zeigen hohe Armuts-, Gewalt- und Ernährungsprobleme in dieser Bevölkerungsgruppe.

Paraguayische Kinder fordern ihre Rechte angesichts von Armut und Gewalt ein

Am 13. August präsentierten Kinder und Jugendliche in Paraguay sieben prioritäre Forderungen für ihre Rechte während der Eröffnung der Woche für die Rechte von Kindern und Jugendlichen 2026. Die Initiative unter dem Motto „Wir fordern unsere Rechte für eine gerechte Gegenwart und eine würdige Zukunft“ soll politische Maßnahmen auf Grundlage der Stimmen junger Menschen beeinflussen – eine Tradition, die 1994 begann.

Die Forderungen umfassen würdige Arbeit, Land, umfassende Gesundheits- und Sexualerziehung, Schutz und psychische Gesundheit, aktive Teilhabe, Inklusion sowie Bildung. Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit, erlaubte Jugendarbeit von Kinderausbeutung zu unterscheiden und forderten sichere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung sowie die Gewährleistung, dass Arbeit die Schulbildung nicht beeinträchtigt.

Die Jugendlichen verlangten zudem Zugang zu altersgerechten Informationen über Körperpflege und Emotionen, bessere Gesundheitsdienste sowie den Schutz ländlicher und indigener Gemeinschaften vor gewaltsamen Vertreibungen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der psychischen Gesundheit: Gefordert wurden mehr Räume für Sport und kulturelle Aktivitäten sowie Schulpsychologen.

Gleichzeitig offenbaren offizielle Daten ein besorgniserregendes Bild. Das Nationale Institut für Statistik und Volkszählungen (INE) gibt an, dass Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren 30 % der paraguayischen Bevölkerung ausmachen – etwa 1,8 Millionen Menschen. Doch laut Statistiken des Observatoriums der Koordinierungsstelle für Kinder- und Jugendrechte (CDIA) leben 24,5 % von ihnen, also 448.785 Jugendliche, in Armut.

Die Probleme betreffen auch Ernährung und Gesundheit. Das Nationale Institut für Ernährung und Nahrungsmittel berichtet, dass jedes dritte Kind unter fünf Jahren mangelhaft ernährt wird, während in der Altersgruppe von 5 bis 17 Jahren 34,6 % unter Übergewicht oder Fettleibigkeit leiden. Im Bereich der psychischen Gesundheit versucht im Land durchschnittlich alle zweieinhalb Tage ein Jugendlicher, sich das Leben zu nehmen; 2025 wurden 72 Todesfälle durch Suizid registriert.

Cynthia Florentín, Geschäftsführerin der CDIA, kritisierte das Versagen des Staates und erklärte, dass politische Maßnahmen oft „nur auf dem Papier“ existierten. Sie warnte vor der langsamen Reaktion auf schwere Fälle von Gewalt und Ausbeutung, die zu Missbrauch und Kinderschwangerschaften führten. Die Staatsanwaltschaft verzeichnete innerhalb eines Jahres 3.386 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern sowie tausende Anzeigen wegen familiärer Gewalt.

Im Bildungsbereich sind zwar 96 % der 5- bis 17-Jährigen eingeschult, doch nur 56,3 % schließen die Sekundarstufe ab, wobei die Abbrecherquoten im Chaco und in ländlichen Gebieten besonders hoch sind. Fast 99.000 Minderjährige arbeiten, davon über 44.000 unter ausbeuterischen Bedingungen durch überlange Arbeitszeiten oder unzumutbare Verhältnisse. Obwohl die meisten Haushalte mit Jugendlichen über Internet verfügen, ist die Versorgung in ländlichen Regionen deutlich schlechter – ein Zeichen für die regionalen Unterschiede.

Die Daten zeigen eine deutliche Kluft zwischen der formalen Anerkennung von Rechten und ihrer tatsächlichen Umsetzung. Konkrete Maßnahmen sind nötig, um die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen in Paraguay zu verbessern.

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Quellen (3)

Aktualisiert: 15.08.2026, 01:00